Carsten Henn, Petra Samani und Steven Uhly über den Januar 2021, vergessene Erinnerungen, Utopien und Dystopien
Es gibt gleich mehrere Gründe, warum der Januar 2021 in dieser Ausgabe eine große Rolle spielt.
Welche? Vor der Antwort die Frage an Dich, der Du die Shownotes liest: wie lange ist der Januar 2021 für Dich her? Sind es erst fünf Jahre oder ist es doch schon ein halbes Jahrzehnt? Ob Du genauso denkst wie die Journalistin Petra Samani: „Für mich ist es nicht so lange her. Weil es auch immer noch ein Thema ist.“ Für Steven Uhly zählt die Kategorisierung nicht: „weil die Zeit für meine jüngste Tochter sehr prägend war.“ Durch die Schulschließungen, Kontaktverbote und andere Vorschriften hat es letztlich „bei ihr zu einer konstanten Veränderung geführt.“ Wie für so viele ist Vieles geblieben, anderes erstaunlicherweise nicht. Carsten Henn hatte damit gerechnet, dass „wenn die Pandemie vorbei ist, wir dann weiterhin im öffentlichen Nahverkehr, in Zügen oder auch im Flugzeug Masken tragen, weil wir wissen, wenn wir eng aufeinander sind, dass wir uns was einfangen. Da habe ich wirklich mitgerechnet, dass das für immer bleibt.“ Genauso überraschend für Henn, das Der Buchspazierer in jenem Januar 2021 auf der Spiegel Bestsellerliste landete. Denn die Vorrausetzungen waren sehr schlecht. Stichwort Lockdown. Das hieß ja nicht nur geschlossene Buchläden, sondern ganze Industriekreise wurde stillgelegt. Unter anderem, weil: „die Journalisten normalerweise ja immer Vorab-Exemplare bekommen, für Rezensionen, die konnten nicht gedruckt, es gab keine Kapazitäten. Alle Druckereien in USA mit Problemen, darum wurde nach Europa ausgewichen, und die Biographie von Barack Obama hatte Vorrang.“ Der damalige Präsident beeinflusste auch Steven Uhly: Death Valley lag zwei Jahre in der Schublade, diese Geschichte passte zu der Zeit nicht, als dann Trump wieder gewählt wurde, da habe ich gedacht, jetzt muss die drinegnd raus.“ Und damit ist klar; der Sturm aufs Kapitol 2021 ist ebenfalls ein großes Thema (Henn: „unvorstellbar, ich bekomme jetzt noch Magengrummeln bei der Erinnerung“). Und weil die Realität eben so schlimm ist „niemand mehr positiv nach vorne denkt“ möchte der Gastrokritiker und Bestsellerautor Henn: „eine richtig schöne große Utopie aus der wir Kraft schöpfen können.“ Uhly, ausgebildeter Dolmetscher und Übersetzer hält dagegen: „weil wir das ja schon seit ein paar Jahrhunderten vergeblich probieren mit den Utopien. Vielleicht sollten wir einfach Mal drauf verzichten und die Dinge im Hier und Jetzt anpacken.“ Darum sieht Uhly, der sein Road-Movie aus der Ich-Perspektive schreibt, aber komplett anders tickt als sein alter Ego im teils lustigen Roman, auch in Dystopien keine Alternative. Ob Petra Samani, die auf Buchblinzler auch über Konzerte schreibt, das anders sieht, weil sie grade selber eine verfasst hat? Tipp für alle Agentinnen und Agenten: Teil drei hören, denn die Journalistin und Übersetzerin Samani sucht noch einen Verlag. Wer den Prolog aus Henns berührenden Sonnenaufgang Nr. 5 hören möchte, dem sei das Ende vom zweiten Podcast-Kapitel empfohlen. Dem berührenden Roman über Erinnerungen selbst, ist ein Spruch vorneweggestellt, „der wirklich für alles gelten kann“, wie Uhly lachend feststellt. Das wohl berühmteste Zitat, des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard: „Es ist wahr, dass das Leben rückwärts gedacht werde, aber vorwärts gelebt werden muss. " Ob im Januar 2026 oder wann auch immer.
part I (00:00) Corona-Erinnerungen
part II (39:17) Familien-Erinnerungen
part III (01:28:35) Lebens- Erinnerungen
guests
Carsten Henn
Petra Samani
Steven Uhly
books
Carsten Henn – Sonnenaufgang Nr. 5
Steven Uhly – Death Valley
cover: jennie_laluna
voice: miriam sinno
music
sprengerspricht impro – by toby gad
[email protected]
- 00:00Kapitel 1 Corona-Erinnerungen
- 39:17Kapitel 2 Familien-Erinnerungen
- 01:28:35Kapitel 3 Lebens-Erinnerungen
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