Judith Merchant ,Ulrich Noller, Melanie Raabe und Rolf Schmiel über Golem und Gottesdienste, Kuchen und Knete, Phsychologie und Phantasie sowie Tatort und Thriller
Zum 100. Mal ist sie als Intro zu hören, die Improvisation, die der mehrfache Grammy-Preisträger Toby Gad an seinem Bösendofer-Flügel für dieses kleine Herzensprojekt eingespielt hat. Das impliziert auch: die 300. Episode steht an! Sie ist beispielhaft für Entwicklung des Formats, der #books&sports wurde zu Recht hier verabschiedet. Content und Cast sind diverser geworden. Genregrenzen existieren genauso wenig wie Tabuthemen. Und auch zeitlich gibt es keinerlei Begrenzung beim wöchentlichen Talkformat für Büchermenschen. Der bekannte TV-Experte Rolf Schmiel liefert in seinem neuen Buch, Vom Glück des guten Gesprächs, auch wissenschaftliche Belege, warum grade die Crossover-Runden so sehr in die Tiefe gehen: „Wissen ist überall – Begegnung nicht. Das eigentliche Entwicklungspotential des Menschen entfaltet sich aber nicht im Konsum von Information, sondern im lebendigen Austausch. Im Gespräch entstehen Resonanz, Reibung, Perspektivwechsel. Dort, wo sich Menschen jenseits ihrer Filterblasen begegnen, auch jenseits von Sympathie, entstehen Lernräume.“ Der Psychologe hat aber auch Tipps für den Alltag, Dates und Flirts und er ist fasziniert von dem, was die beiden Bestsellerautorinnen, Melanie Raabe und Judith Merchant über ihre neuen Thriller respektive ihre Schreibmotive berichten. Bei der speziellen Fähigkeit einer Protagonistin „bleibe ich ganz besonders hängen, weil diese eben auch einsam macht.“ Um was es dabei geht, das gilt zu hören, verraten wird an dieser Stelle nur, dass bei Melanie Raabes neuster Protagonistin Luca, „klar war, dass die Triebfeder ein sehr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ein starkes Gefühl für Fairness und für Dinge ist, die schief laufen.“ Und, dass der in Köln lebenden Bestsellerautorin bei anderen Büchern erst in der Rückschau aufgefallen ist, dass das Thema Fairness, wie Moderator Noller meint, „ein immer wiederkehrendes ist“. Bei Merchant spielt Gerechtigkeit kein Thema: „Ich brauche immer Dilemma-Situationen. Mein Trampolin ist eine Dilemma-Situation, die muss ich für meine Hauptperson finden. Aber ich bewege mich ja auch eher in einem Mikrokosmos, bei mir geht´s ja immer mehr um den familiären, den Beziehungsbereich." Nichtsdestotrotz eint die beiden Frauen viel, „was wir mal bei einem Glas Wein oder bei einer Lesung vertiefen müssen.“ (Dazu gibt´s auch auf der Frankfurter Buchmesse 2026 Gelegenheit, wie sicherlich auch zum Austausch mit Hörenden / Lesenden). Mini-Spoiler: Beide haben eine längere Thriller Pause gemacht. Judith Merchant fünf und Melanie Raabe sogar sieben Jahre. Die Gründe? Sehr unterschiedlich. Unabhängig davon, ist nicht nur die Freude auch bei Ulrich Noller groß, über Daisy und Aprikosenkind (das jeweils erste Kapitel aus den Hörbüchern am Ende der ersten beiden Podcast-Parts). Den freien Journalisten, der Buchpräsentationen moderiert, im WDR (bei Cosmo und WDR 5) Bücher empfiehlt, verbindet noch mehr mit den beiden Autorinnen. Beispielsweise verpasst er wie Judith Merchant (die Bonnerin rezensiert jede neue Folge bei Facebook) keine Tatort-Premiere. In dem aus einer Call-in-Sendung entstanden Format, Wie war der Tatort Ulrich Noller kritisiert er am Montag danach auf WDR 5: „Das ist ja weit mehr als ein Krimi, es gibt sogar eine wissenschaftliche Studie darüber, ob der Tatort als gesellschaftliches Ereignis, ein Stück weit den Gottesdienst abgelöst hat.“ Melanie Raabe, deren Debüt Die Falle („das Buch wurde erst als Taschenbuchausgabe, nach dem auf dem Cover nicht mehr Roman, sondern Thriller stand, zum ganz großen Erfolg“) ab 13. Oktober 2026 bei Netflix zu sehen ist, „denkt immer, wenn ich Menschen wie Ulrich oder Judith über den Tatort sprechen höre, ich wäre auch gerne Teil dieser Community. Weil ich das total nett finde, wie Menschen sich darüber austauschen. Aber, immer wenn ich an dem Ritual versuche teilzunehmen, merke ich, dass mich Tatorte in den seltensten Fällen begeistern.“ Wenn das bei anderen der Fall ist, sprich zum Beispiel Ulrich Noller begeistert ist, „dann gucke ich auch. Aber das macht ja nicht dieses besondere Feeling aus, dieses Lagerfeuerartige.“ Genau dieses Feeling „weil alle am Tag danach drüber sprechen können“ macht es für Merchant aus und „es strukturiert zudem die Woche. Als Freiberuflerin bin ich vielen Unregelmäßigkeiten ausgesetzt, und Sonntag 20:15h ist der einzige Zeitpunkt, wo ich präzise weiß, wie ich mich zu in der Zeit zu situieren habe. Es hat eben was Rituelles.“ Auch Merchant, die in #50 (Piano unter Palmen) erstmals bei sprengerspricht zieht den Vergleich zum Gottesdienst, was den Psychologen „wirklich erschüttert, wenn der Tatort ein transzendentes Erlebnis ersetzt. Aber psychologisch gesehen, tun uns Rituale gut, helfen uns unserem Leben eine Struktur zu geben.“ Es musss ja nicht das Sonntagabend-Ritual sein. Es kann ja auch eins ab freitags sein. Vielleicht sogar eins seit nunmehr exakt 300 Wochen…
part I (00:00:00) Krimi & Gottesdienst
part II (00:44:29) Killer & Gänseblümchen
part III (01:27:23) Kuchen & Großstadt
guests
Judith Merchant
Ulrich Noller
Melanie Raabe
Rolf Schmiel
books
Judith Merchant – Aprikosenkind
Melanie Raabe – Daisy
Rolf Schmiel - Vom Glück des guten Gesprächs
cover: jennie_laluna
voice: miriam sinno
music
sprengerspricht impro – by toby gad
[email protected]
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- 00:00:34Krimi & Gottesdienst
- 00:44:29Killer & Gänseblümchen
- 01:27:23Kuchen & Großstadt
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