Jörg Bernardy, Rita Janaczek, Heidi Troi und Yvonne Wüstel über Glaube und Gerechtigkeit, Vereine und Versagen sowie die Welle und einen Wimpernschlag
30. Jahre. Das ist schon eine besondere Jahreszahl. Ein sehr spezieller Geburtstag. An den sich Jörg Bernary genau erinnert: „Das war zu meinen Zeiten in Köln. Ich weiß noch genau, wo ich gefeiert habe. “ Schließlich sollte es ein Ort sein, weit oben. Also ging es auf einen Turm: „Für mich war 30 eine Station, wo ich gedacht habe, ich kann jetzt Mal nach hinten, vor allem aber um mich herum sowie nach vorne schauen. Schließlich denkt mit 30 ja noch keiner ans Lebensende.“ Und obwohl Frauen, wie Heidi Troi lachend meint „ja immer 29 bleiben“, erinnern sich Yvonne Wüstel („komme auch bei längerem Nachdenken nicht drauf“) und Rita Janaczek gar nicht an den Tag. Zumal Rita bereits „den 25. Geburtstag nicht ganz so schön fand. Da war ich eher pessimistisch und habe gedacht, das erste Drittel des Lebens ist schon vorbei.“ Mit 30 war dann alles entspannter, „da waren auch schon die Kinder da.“ Bei der Südtirolerin Troi auch, aber: „ich sah früher immer so jung aus, und habe mich wirklich auf die 30 gefreut. Da fühlte ich mich dann erwachsen. Und das gleich gilt ja auch für unseren Verein, die Mörderischen Schwestern.“ Der Vereinigung für Frauen, die Krimis mögen („egal, ob als Autorin, Buchhändlerin, Hörbuchsprecherin oder Leserin“), drohte allerdings tatsächlich das Aus. „Der 30. Geburtstag hätte auch der letzte sein können“, gesteht Yvonne Wüstel. Die neue Vorsitzende, die unter dem Namen Eva Jensen die Küstenmord-Reihe schreibt- der Prolog aus dem Bastei-Lübbe-Hörbuch von Küstenmord: Jagd im Nebel findet sich am Ende von Part II - und deren Mann Michael Jensen in #257 (Zurück unter Mördern: Erbe oder Bluff?) zu hören ist, wurde nach einer turbulenten und hitzigen außerordentlichen Jahresversammlung gewählt. Wie auch ihre anderen Kolleginnen im Vorstand: „Das Problem waren wie so oft die Finanzen, das Geld. Es gab gravierende Differenzen und eine ganze Reihe von Schwestern wollten so nicht mehr weitermachen, weil sonst dem Verein die Schließung drohte. Deshalb wollten sie eine neue Perspektive.“ Und da dem alten Vorstand, nett formuliert, es nicht „zuzumuten war die Kräfte neu zu mobilisieren“ musste ein neuer her. Der hat, auch das ist in dieser Episode #297, die nicht nur an dieser Stelle dem Beinamen autorinsights wieder gerecht wird, zu hören, viel Aufräumarbeiten zu leisten. „Mit Schaufel und Besen". Das Fest zum Jubiläum gibt´s dennoch: „Wir werden in Berlin feiern, wo die jährliche Mitgliederversammlung stattfindet. Es wird allerdings nicht ganz so rauschend ausfallen, wie wir uns das gewünscht hätten.“ Wie wichtig der Verein ist, nicht nur für die Sichtbarkeit der Frauen, wissen alle die, die Ausgabe #294 gehört haben. Die Episode (Der gefärhlichste Ort: Stadion alte Försterei!) in der Femizide ein großes Thema sind, weil Maike Moeller-Engemann darüber ihren bemerkenswerten Debütkrimi geschrieben hat. Das konnte die Autorin nur, Dank eines Stipendiums der Mörderischen Schwestern: „Grade für Frauen ist das schwierig, sehr viele Stipendien sind ortgebunden, das können viele nicht leisten. Erst recht nicht, wenn sie Kinder haben oder berufstätig sind. Deswegen haben wir dieses Arbeitsstipendium ins Leben gerufen.“ Auch sonst leisten Vereine jedweder Art, das betonen alle grade in diesen Zeiten Großes. Was wären wir ohne Vereine uund vor allem ohne das Ehrenamt? Dafür liefert die Theaterpädagogin Heidi Troi eine weitere Bestätigung aus eigener Erfahrung: „Ich habe vor allem nach Corona das Gefühl, dass Vereine, dass Orte, wo Menschen sich treffen können, dass die ganz viel wieder gekittet haben, von dem, was in den Monaten der Isolation kaputt gemacht worden ist.“ Welche Räume es da noch gibt? Da werden gleich mehrere genannt, auch solche, nicht real existent sind. Denn wenn ein populärwissenschaftlicher Philosoph in der Runde ist, der zudem ein, unter anderem von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugend-Literatur empfohlenes Buch mit dem Titel Woran glaubst du? geschrieben hat, wird es natürlich auch existentiell. Und so geht es in dieser Episode, wie in vielen anderen, nicht nur im übertragenen Sinne um Gott und die Welt, sondern tatsächlich im wörtlichen. Und deshalb wird dann nicht nur die Zahl 30 plötzlich verschwindend klein.
part I (00:00:00) Wimpernschlag und Welle
part II (00:45:12) Vereine und Vermögen
part III (01:56:35) Gerechtigkeit und Glaube
guests
Dr. Jörg Bernardy
Rita Janaczek
Heidi Troi
Yvonne Wüstel
books
Jörg Bernardy - Woran glaubst Du
Rita Janaczek - Köhlbrandbrücke
Heidi Troi - Ein Aperol in Moll
Eva Jensen - Jagd im Nebel (Küstenmord 6)
cover: jennie_laluna
voice: miriam sinno
music
sprengerspricht impro – by toby gad
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- 00:00:34Welle und Wimpernschlag
- 00:45:12Verein und Vermögen
- 01:56:35Glaube und Gerechtigkeit
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