Linh Tran, Daniel Speck und Alfred Weinzierl über die Ästetik von Autos, die Ära von Michael Schumacher und das Ärgernis Männer am Tischkicker
Im Oktober 2026 startet bei Netflix eine Michael-Schumacher-Doku. Das ist weder der Anlass für die Episode 298, noch für das erste Buch von Alfred Weinzierl. Über 35 Jahre war er bei Spiegel, u.a. als Sportchef, „als ich aufhörte, haben mich viele gefragt, ob ich jetzt ein Buch schreibe. Ich habe das erst ausgeschlossen, denn ich wollte nicht das machen, was man als Journalist oder auch als Sportreporter oft macht, einen großen Bluff. Da scheibst Du ein Portrait über Leute, die Du grade Mal drei Stunden kennengelernt hast.“ Eine Idee brachte die Wende, „ich bin als Journalist in die Schumacher-Zeit reingewachsen.“ Denn Weinzierl war schon in der Szene drin als die Karriere des siebenfachen Weltmeisters begann. Und hat so „einen damals noch ungeschliffenen und sehr offenen Michael Schumacher kennengelernt.“ Sowie alle deutschen Fahrer. „Mich hat interessiert, wie seine Nachfolger über ihn denken, um damit eine über 20 Jahre lange Ära der deutschen Erfolge in der Formel1 zu würdigen.“ Deshalb dann jetzt das Buch mit dem etwas sperrigen Titel Über Michael Schumacher und die deutsche Ära in der Formel 1. Ein Buch, das Daniel Speck „unbedingt lesen will.“ Wer dessen aktuellen Bestseller Villa Rivolta noch nicht gelesen oder gehört hat (Der Autor liest das Argon-Hörbuch selbst. Zu hören ist das erste Kapitel aus Gründen, die es ebenfalls zu hören gilt, am Ende dieser Ausgabe ab Min…), dem reicht ein Blick auf die Homepage. Das Schmuckstück, in dem der Autor dort zu sehen ist, ist „ein Iso Rivolta GT, ich hatte das Glück dieses Auto irgendwann Mal zu finden und habe es über die Jahre restaurieren lassen.“ Gekauft hat Speck, der „selber kein Schrauber“ ist, dieses nur in ganz kleiner Stückzahl (die genaue Zahl gilt es zu hören) gebaute Auto „für eine Buch-Tour zu Bella Germania, meinem ersten Roman.“ Der findet im Übrigen keine Fortsetzung im neuen, 608 Seiten langen, Werk. Spoiler: „Villa Rivolta ist tatsächlich keine Fortsetzung, sondern eher ein Schwesternbuch.“ Ob es von Villa Rivolta eine Fortsetzung geben wird? Der Spoiler fällt hier flach, den gilt es genauso zu hören, wie spannende Details beispielsweise über die Isetta oder den VW Golf, der vom selben Designer stammt wie der gute alte Fiat Panda. „Die tolle Kiste“ (den Werbespruch hat Weinzierl sofort parat) kennt auch Linh Tran, „die sonst weniger mit Autos am Hut hat“, weil „Eltern von Freunden damit von Hamburg nach Sardinien gefahren sind.“ Dass das weniger komfortabel war ist das eine, dass Autos aus Italien „die schönsten überhaupt sind“ und manches Design gleichzustellen ist, „mit der Schönheit von mittelalterlicher Kirchenkunst“ mag vielleicht nicht für alle nachvollziehbar sein. Fakt aber ist: „Autos waren früher unverwechselbarer.“ Fakt aber auch: Autodesign wie auch die Formel 1 waren und sind eine absolute Männerdomäne: „Eine Fahrerin gab es nur einmal, bezeichnenderweise eine Italinerin. Mittlerweile erlebt man eine allerdings zunehmende Zahl von Frauen in den Teams, im technical Staff oder in der Rennstrategie.“ Aber so der ehemalige Spiegel-Mann: „schon eher männlcuih dominiert.“ Wie sich da Frauen durchsetzen können? Das schildert Lin Tranh, die ist ebenfalls in einer von Männern dominierten Sportart, gleich fünfmal Weltmeisterin geworden: Beim Tischkickern. Obendrein ist sie Europameisterin und neunfache Deutsche Meisterin. Trotz ihrer bisherigen 51 Titel treten bei Events, zu denen sie nicht etwa als Speakerin, sondern als amtierende Weltmeisterin (im Einzel und im Doppel 2025) eingeladen wird, Männer gegen sie an „die meinen sie können es besser. Einfach, nur weil sie ein Mann sind und eine Frau das grundsätzlich nicht kann.“ Ein Verhalten, das sie schockiert, aber nicht umwirft: „Ich schieße dann halt mit extra harten Bällen.“ Nicht grundlos hat ihr Buch, Aus dem Handgelenk, (Co-Autorin Mara Pfeiffer hört ihr in 82 - Pirlo: Romantik und Pommes um vier! ) den Untertitel: „Warum ich Weltmeisterin werden musste!“ Und damit widerlegt die Frau, deren Eltern aus Vietnam stammen, genauso ein Klischee, wie es Daniel Speck zu Beginn seiner Autorenkarriere wichtig war: „Ich wollte nicht den Italiener zeigen, der hier nach Deutschland gekommen ist und eine Eisdiele aufgemacht hat!“
part I (00:00:00) Rückspiegel
part II (00:41:30) Außenspiegel
part III (01:49:25) Innenspiegel
guests
Linh Tran
Daniel Speck
Alfred Weinzierl
books
Linh Tran – Aus dem Handgelenk
Daniel Speck – Villa Rivolta
Alfred Weinzierl - Über Michael Schumacher und die deutsche Ära in der Formel 1
cover: jennie_laluna
voice: miriam sinno
music
sprengerspricht impro – by toby gad
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